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12.07.2012 19:07 Alter: 10 yrs

Die Freesur – ein Selbstversuch von Geraldine Oetken.


Im Mensafoyer der HBK sitzt eine Frau mit Umhang, um sie herum wirbelt eine zweite Frau und schneidet ihr die Haare. Die erste Frau bin ich, die zweite Frau ist Melis Sivasli. Melis ist keine ausgebildete Friseurin, sie ist Studentin an der HBK und trotzdem steht sie während des Rundgangs im Mensafoyer und schneidet Haare, kostenlos. Als Teenager fing sie an, sich während einer rebellischen Phase die Haare selbst zu schneiden. Seit diesem Jahr wagt sie sich an fremde Köpfe.

Wir reden über meine Haare (sie müssen kürzer und irgendwie runder) und über die Idee, die hinter dem Schneiden steht: „Eine Frisur zu entwickeln ist wie zeichnen. Man tastet sich langsam, Schnitt für Schnitt, an die Haare heran. Am Ende ist es eine Entdeckung der finalen Form.“

Dennoch richten sich die Frisuren nach den Wünschen der Kunden. Wenn keine konkreten Vorstellungen vorliegen, kann Melis zusammen mit dem Kunden experimentieren. Es ist ein Einlassen auf den jeweils Anderen: Ich schenke Melis das Vertrauen und sie wiederum muss sich auf meine Haare, aber auch auf mich und meine Person einstellen. Am Ende soll dabei eine Frisur entstehen, die zu meinem Charakter und Ausdruck passt.

Dabei fungiert das Schneiden selbst als Türöffner. Durch das Reden und das gegenseitige Vertrauen entsteht eine Intimität, die auch durch das belebte Mensafoyer nicht gestört wird.

Melis sagt: „Haare schneiden ist für mich mehr als ein Hobby: Es ist eine Leidenschaft. Mich fasziniert das Material, die Haptik und die Struktur der Haare.“

Sie ist fertig. Ich pule mir die abgeschnittenen Haare aus dem Pulloverkragen und denke darüber nach, ob Haare schneiden eine Form der Kunst sein kann.

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